Neues von Mama (10): Wo ist Mama???





Heute war ich mal wieder mit Mama im Marktkauf einkaufen. Also ich merkte bereits beim Laufen, dass sie immer mehr abbaut. Sie wird immer langsamer und lässt sich wie ein kleines Kind sofort ablenken. Als ich, mit Mama im Schlepptau, den Einkaufswagen über den Parkplatz zum Eingang schob, wäre sie beinahe noch überfahren worden. Nur weil sie mitten auf der Fahrspur lief und einfach stehen blieb, um zwei Frauen zuzuschauen, welche ihre Einkäufe im Auto verstauten. Ich zog sie gerade noch von der Fahrbahn runter. 
Dafür konnte ich mir dann was anhören! 


M: "Was machst Du da? Ich bin doch kein kleines Kind!" 


Ich: "Doch, biste anscheinend. Man läuft nicht mitten auf dem Weg, wo die Autos fahren!" 


M: "Ach sei still, ich kann schon selbst auf mich aufpassen!" 


Ich: "Jaja, ich habs gesehen!" 
naja, und so weiter. Sie brummelte noch eine ganze Weile neben mir her. Dann waren wir endlich im Marktkauf. 
Als wir gleich zu Anfang beim Metzgerstand vorbei kamen (da gibt es immer so leckere Mahlzeiten) fiel ihr auf, dass sie Hunger hatte. 


M: "Ich hab Hunger!" und blieb penetrant vor dem Metzgerstand stehen. 


Ich: "Ok, aber wir essen erst was, wenn wir einkaufen waren." 


M: "Ich hab aber jetzt Hunger!"



Ich dachte mir aber, wenn Sie hungrig ist, dann geht das mit dem Einkaufen schneller. Dann trödelt sie nicht so sehr. 
Ich: "Komm wir gehen erst einkaufen und dann gehen wir etwas Essen, so wie immer!" 


Sie brummelte wieder, dass ich ihr nicht mal ein Würstchen gönnen würde, ging aber dann doch mit mir in den Markt. Wir kauften alles ein, was sie sich aufgeschrieben hatte und dann wollte ich noch meine Einkäufe erledigen. 
Ich war schon fast fertig, als plötzlich Mama verschwunden war! Den vollen Einkaufswagen stellte ich an die Seite und machte mich auf die Suche nach ihr. Es dauerte nicht allzu lange, da sah ich sie, wie sie einem jungen Mann zusah, der Dosengemüse ins Regal einräumte. Als ich sie wieder eingefangen hatte, erledigte ich meine restlichen Einkäufe und wollte zur Kasse. Da war Mama schon wieder verschwunden. 
Das darf doch nicht wahr sein! Ich wollte endlich nachhause. Wir waren schon über zwei Stunden hier ... ich suchte und suchte ....... von Mama keine Spur. Ich lief durch sämtliche Gänge - nichts. Diesmal war sie wirklich weg. Was mach ich nun? Ich kann doch nicht einfach zur Kasse gehen und Mama alleine hier rumirren lassen. 
Nochmals durch sämtliche Gänge - nichts. Sollte ich sie vielleicht ausrufen lassen? Aber das hört sie ja gar nicht. Sie hört eh etwas schlecht und was sie nicht hören will hört sie sowieso nicht. 
Nun war sie mittlerweile schon fast eine halbe Stunde verschollen. Was tun? Ich hielt mich im Mittelgang auf, weil ich hoffte, dass Sie dann irgendwann auftauchen würde. Fehlanzeige. Also zum Ausgang kann sie nicht sein, weil sie ja noch ihre Einkäufe bezahlen muss. 
Vielleicht auf die Toilette ..... (sie weiß ja gar nicht wo die Toi ist) ... trotzdem stellte ich den Wagen ab, ging durch die Kasse zur Toilette ... kein Mensch drin. Ich wieder zurück. Was soll ich nun tun? Ich wurde langsam müde und hungrig. Nun kamen mir auch Wahnvorstellungen in den Sinn .... 


......Vielleicht ist sie vor Hunger zusammengebrochen und liegt nun irgendwo und keiner merkt es 

..... Ob man sie entführt hat???? Neeeeeeee, die entführt keiner! Und wenn, bringt er sie nach spätestens fünf Minuten freiwillig zurück und zahlt noch Lösegeld dazu ..... 

......Vielleicht sitzt sie irgendwo unbeobachtet in einem Gang und stillt ihren Hunger ..... (wie nah ich der Wahrheit damit kam, konnte ich nicht ahnen. Allerdings auf eine ganz andere Art und Weise, als ich befürchtete). 
...... ach es war zum Verzweifeln. Mama war wie vom Erdboden verschluckt! Aber wo könnte sie nur sein? 
Mein Magen knurrte schon ziemlich laut. Hunger ....... da kam mir eine Idee. Ich gehe jetzt einfach zur Kasse, zahle die Einkäufe und gehe in der Vorhalle etwas essen. Irgendwann muss sie ja mal dort vorbei kommen, wenn sie mich drinnen nicht mehr findet. 
Gesagt - getan. Ich ging zur Kasse, verstaute die Einkäufe in den Tüten und ging langsam nach vorne, zur Metzgerei. Gerade als ich mir einen Platz suchen wollte ................DAAAA entdeckte ich sie!

Ganz gemütlich saß sie an einem Tisch und verputzte ein Bratwurstbrötchen! Ich stürmte auf sie zu ... doch sie ließ mich gar nicht zu Wort kommen ... 


M: "Ach da bist Du ja! Ich hab Dich drinnen überall gesucht. Und als ich dich nicht finden konnte, bin ich halt mal was essen gegangen!" 


Ich: "Mama!!!!!!! Sag mal, weißt Du, wie lange ich Dich schon suche?" 
Das störte sie überhaupt nicht. Sie aß seelenruhig weiter und biss mit Genuss in Ihr Brötchen. 


M: "Ich hatte einfach Hunger und da bin ich eben was essen gegangen. Ich dachte, wenn Du fertig bist, musst ja eh hier vorbeilaufen und da hätte ich Dich schon gesehen!" 


Was soll ich darauf noch antworten??? (Den gleichen Gedanken hatte ich ja vorhin auch!!!) MÜTTER!!!!!!!




Neues von Mama (9): Wieder ein Einbrecher




Ich war gerade aufgestanden, als das Telefon klingelte. Als ich zur Uhr schaute, war es gerade mal kurz nach 7 Uhr. Wer ruft so früh bei uns an?
Das Display zeigte „Mama“ an.

Soll ich jetzt schon abnehmen oder erst mit den Hunden raus gehen? Wenn Mama so früh anruft, dann muss etwas passiert sein. Also nahm ich den Anruf entgegen, während ich dabei war, Kaffee aufzusetzen.


Mama kam sofort zur Sache: „Stell dir mal vor, bei mir ist heute Nacht eingebrochen worden! Hier sieht es aus, wie auf einem Schlachtfeld.“


Ich war erschrocken. „Mama, wie kann das sein? Bei dir kann man doch gar nicht einbrechen. Deine Tür ist so gut gesichert, dass da niemand reinkommt!“


Mama war nicht zu bremsen. „Natürlich ist eingebrochen worden. Mein Blumenstock neben der Tür liegt auf dem Boden. Mein Rollator ist total kaputt. Meinen Geldbeutel kann ich auch nicht mehr finden!“ 

Naja, das mit dem Geldbeutel ist nichts Neues, sie versteckt ihn meistens so, dass sie ihn selbst nicht mehr wiederfindet.


„Mama, vielleicht bist du gestern Abend selbst mit dem Rollator am Blumenstock hängen geblieben und hast es nicht gemerkt?“


„Meinst Du, ich würde dann das alles so liegen lassen? Nein, da waren Einbrecher da!“


„Ok, ich komme nachher vorbei und schaue mir das an. Wenn da wirklich jemand in der Wohnung war, dann rufen wir die Polizei an, die soll sich das mal anschauen.“


„Die Polizei hab ich schon angerufen, die kommen gleich.“


„Na, dann mach aber nichts in der Wohnung, du darfst nicht aufräumen. Musst alles so liegen lassen, wie es ist!“


„Jaja, das hat mir der Polizist am Telefon auch schon gesagt. Du brauchst aber nicht extra hierher zu kommen. Das kann ich mit der Polizei schon alleine regeln!“


Na, wenn sie meint. Dann warte ich eben ab.
„Ruf mich aber an, wenn die Polizei da war. Ich will wissen, was da los war.“


„Ja klar, mach ich. Eben klingelt es, das wird die Polizei sein. Ich ruf Dich nachher an.“
Sprachs und legte auf.


Es verging eine Weile und dann klingelte wieder das Telefon. Es war die Nummer von Mama. Ich nahm ab und am anderen Ende meldete sich die Polizei.
„Spreche ich mit der Tochter von Frau XY?“


„Ja, das bin ich!“


„Also ihre Mutter hat uns gesagt, dass eingebrochen worden ist. Wir können an der Tür keine Einbruchsspuren feststellen. Auch das Küchenfenster ist in Ordnung und dass in den sechsten Stock über den Balkon jemand einbrechen würde ist sehr unwahrscheinlich. Zumal ja auch hier Fenster und Balkontür unbeschädigt sind.“


War mir ja fast klar.
„Aber was ist mit dem Rollator? Sie hat mir erzählt, der wäre total zerstört. Das ist so ein stabiles Teil, das kann man doch nicht so einfach zerstören.“


„Der Rollator lag lediglich auf der Seite, den haben wir wieder hingestellt und sie kann ihn nun wieder benutzen. Außerdem lag eine leere Weinflasche auf dem Wohnzimmerboden und der Blumenstock neben der Tür war umgeworfen. Wir sehen das so, dass ihre Mutter mit dem Rollator an dem kleinen Blumentisch hängengeblieben ist. Dadurch muss sie gestürzt sein, so dass auch der Rollator umgefallen ist. Also ein Einbruch fand hier definitiv nicht statt.“


Ich bedankte mich und bat den Polizisten, mir Mama ans Telefon zu geben. Denn so wie ich sie kenne, stand sie daneben und wollte hören, was er zu mir sagt.


„Mama, was war los? Hast gestern Abend Wein ge ......“ weiter kam ich nicht. 

Sie holte tief Luft und dann legte sie los:
„Hast gehört was der gesagt hat? Ist der nicht raffiniert? Stellt mich als Lügnerin hin! Ich weiß genau, dass eingebrochen worden ist. Die haben sogar meinen Wein ausgesoffen.“


„Aber der Rollator war ja auch nicht kaputt, Mama. Der war nur umgefallen!“


„Nein, den haben die wieder repariert!“


„Hast Deinen Geldbeutel wieder gefunden?“


„Ach ja, den hab ich wieder, der lag unter dem Kopfkissen im Schlafzimmer.“


„Na dann ist ja alles gut.“


„Nix ist gut. Hier waren Einbrecher und die Polizei interessiert das überhaupt nicht. Die machen erst was, wenn man mich umgebracht hat!“


Was sollte ich darauf noch antworten. Sie beharrte auf ihrem Einbrecher und davon war sie auch nicht abzubringen. Ich kannte sie ja.
„Ok Mama, jetzt räumst das alles weg und ich komme später vorbei!“


„Ja, bis später!“ Sie legte auf.


Einige Stunden später ging ich einkaufen und fuhr anschließend bei Mama vorbei.
Sie war ganz gut drauf und nach der Aufregung heute Morgen eigentlich gar nicht verwirrt, wie ich das angenommen hätte. Doch dann merkte ich, was los war.


Ich betrat die Wohnung und sprach sie auf den Vorfall an.
„Na, hast wieder alles aufgeräumt?“


„Was soll ich aufgeräumt haben?“


Na das Chaos von heute Morgen, weswegen du doch die Polizei gerufen hast.“


„Hier war doch kein Chaos. Ich hab keine Polizei gerufen.“


„Mama, hier war doch heute Morgen die Polizei, weil du der Meinung warst, dass ein Einbrecher in deiner Wohnung war.“


„Wo, bei mir? Da war kein Einbrecher und auch keine Polizei.“


Bin ich irgendwie im falschen Film?
„Mama, der Polizist hat doch noch von deinem Telefon aus mich angerufen und mit mir gesprochen!“


„Du spinnst, hier war kein Polizist der telefoniert hat!“


Nun wird mir einiges klar. Sie weiß von diesem Vorfall nichts mehr. Sie kann sich daran nicht erinnern.
Ich ließ das Thema fallen, trank noch einen Kaffee bei ihr und fuhr dann wieder nach Hause. Soviel, in diesem Fall, zum Thema Demenz.

©RR





Neues von Mama (8): Dampfnudeln




Mama war im Krankenhaus und ist nun wieder zuhause, ist aber der Meinung, dass ich jeden Tag mindestens zweimal nach ihr sehen müsste :-) 
Denkste - ich hab das reduziert auf jeden zweiten Tag - das reicht vollkommen. 
Es geht ihr eigentlich ganz gut, nur kann sie keine Aufregungen vertragen. Denn wenn sie sich aufregt, dann wird sie wieder total durcheinander und kriegt nichts mehr auf die Reihe. Also halte ich alles Aufregende von ihr fern. Nur, wenn man ihr nicht alles erzählt, regt sie sich auch wieder auf. Wie man es macht ….. es ist verkehrt. 


Nun hat sie sogar heute für den "halben Ort" Dampfnudeln gebacken! Respekt! Das kann nicht mal ich machen! (Brauchte es ja auch noch nie, da sie ja immer die Dinger gemacht hat. Ich hab sie nur gegessen und nie gebacken.)

 Ok, halber Ort ist etwas übertrieben, aber wenn sie mal dabei ist, dann weiß sie schon beim Teig machen, welcher Nachbar wie viele davon erhält. 
(Ich bekam genau vier Stück .... Mein Mann isst die nicht. Wenn der wüsste, was ihm entgeht.) 


Eine Pfanne voll hat sie anbrennen lassen .... eben weil eine Nachbarin zu Besuch kam und sie total abgelenkt und nur am Quatschen waren. Und sie hat es noch nicht einmal gemerkt. Erst als ich kam, um meine Dampfnudeln abzuholen, da fielen ihr die Dinger auf dem Herd wieder ein. Sie rannte mit fliegender Schürze in die Wohnung – die neugierige Nachbarin natürlich hinter ihr her …. doch zu spät: Die ganze Küche war schon verqualmt.



Und nun kam eine Seite von mir zum Vorschein, welche Mama überhaupt nicht leiden kann: Ich nahm die Pfanne, leerte die verkohlten Häufchen auf einen Teller und reichte diesen der Nachbarin mit den Worten: „Das müssen die Dampfnudeln sein, welche für Sie bestimmt waren!“


Mama schnappte hörbar nach Luft und die Nachbarin drehte sich wortlos um und wurde in meiner Gegenwart nie wieder gesehen.



©RR



hab ich erwähnt, dass Mama sich danach wieder maßlos aufgeregt hat??? *grins*

nur weiß ich bis heute nicht, ob es über die verbrannten Dampfnudeln oder über meinen Kommentar zur Nachbarin war



Neues von Mama (7): wie man unerwünschten Besuch los wird ....



Ich war mal wieder bei Mama. Sie hatte Besuch. Ich kannte die Dame, sie wohnt im Haus und ist furchtbar neugierig. Ich mag sie nicht und Mama kann sie auch nicht leiden.

Sie erklärte mir sofort, dass sie gerade mal schnell auf einen Kaffee vorbei kam und nach dem Rechten sehen wollte.


Ich machte mir ja auch einen Kaffee und da wollte ich ja mal nicht so sein und bot ihr auch eine Tasse an. Während ich in der Küche hantierte und das Kaffeegeschirr zusammen stellte, fiel mir etwas ins Auge ..... und schon kam meine sarkastische Ader wieder zum Vorschein. Na warte, ich werde dafür sorgen, dass du nicht lange bleibst und Mama aushorchen kannst.



Ich trug den Kaffee und das Geschirr ins Wohnzimmer - eine normale Tasse für mich und eine schwarze Tasse für die Besucherin.





Noch bevor sie etwas sagen konnte, schenkte ich ihr Kaffee ein und bot ihr etwas vom Christstollen an. Sie langte zu.


Und dann fing sie auch gleich an:

"Oh, habt ihr neues Geschirr?"

Auf diese Frage habe ich gewartet.

"Ja, das haben wir extra gekauft! Das sind unsere Besucher-Tassen!"


"Ach, extra Tassen für Besucher? Das hab ich auch noch nicht gehört!"

(Ich auch noch nicht)


"Die Tassen sind ja sehr schön, achteckig und schwarz - mal was anderes!"


Mama schaute von Einer zur Anderen und war ganz Ohr! Noch ahnte sie ja nicht, was sie gleich erleben würde. Deshalb war ich froh, dass sie sich in dieses Gespräch nicht eingeklinkt hatte und nur zuhörte.


"Ja, die Tassen sind auch sehr praktisch!"


"Wieso sind achteckige Tassen praktisch?"


So, jetzt kommt es!


"Ich meinte nicht die Form, sondern die schwarze Farbe."


"Ach, und wieso sind die schwarzen Tassen praktisch? Ich verstehe das nicht ganz."


(Verstehste gleich)

"Naja, schwarze Tassen braucht man nicht zu spülen, da sieht man den Dreck nicht dran!"

Sprachlos schaute sie in ihre halb ausgetrunkene Tasse. Der Blick war köstlich. Ich musste an mich halten um nicht gleich loszuprusten.


"Sie können ruhig austrinken, ich glaube ich habe sie beim letzten Mal gespült!"


Sie schob die Tasse von sich und murmelte etwas von "vergessen zu besorgen" stand auf und ging wortlos aus der Wohnung.


Jetzt erst sah ich Mama, wie sie mich mit offenem Mund ansah. Sie war immer noch sprachlos.


Nur etwas hatte ich erreicht: Die Dame kam nie wieder zu Besuch!


©RR




Neues von Mama (6): Der Geburtstag (1)



Mama hatte Geburtstag, so gegen 14 Uhr war ich dann bei ihr.
Sie schien ziemlich fit zu sein, begrüßte die Hunde und dann mich!

Sie hatte einen kleinen Beistelltisch im Wohnzimmer mit ihren Geschenken dekoriert.

Ich sah einige Flaschen Piccolo, eine Karte, einen Brief und einen Teller mit Weihnachtsgebäck.
Sie erzählte mir, von wem sie die Geschenke erhalten hat und dann gab ich ihr mein Geschenk.
Soweit war ja auch alles ok. Ich machte Kaffee und schnitt den von mir gebackenen Kuchen an.

Ich: Und Mama, wie geht es Dir heute?


Mama: Mir geht es gut. Ich hatte heute schon ganz früh den ersten Besuch. Ich hab noch geschlafen, als es geklingelt hat.


Ich war erstaunt, denn Mama steht meistens schon um sieben Uhr in der Frühe auf - und da soll schon jemand dagewesen sein?


Ich: Wer war denn der Besucher?


Mama: Es war von unten die Frau XY. Sie hat mir einen wunderschönen, riesengroßen Blumenstrauß gebracht.


Ich (etwas erstaunt): Wo hast denn den Strauß? Ich hab in der Wohnung hier keinen gesehen.


Mama: Ja, den hab ich gut aufgehoben und versteckt, damit ihm auch ja nichts passiert!


Also ich war in der ganzen Wohnung und auf dem Balkon - es war definitiv KEIN Blumenstrauß zu sehen. Ich sagte nichts mehr dazu, sondern dachte mir meinen Teil.


Während wir unseren Kaffee tranken klingelte es an der Wohnungstür. Ich stand auf und öffnete.

Draußen stand die Frau XY von unten im Haus.

XY: Guten Tag, ich wollte nur schnell ihrer Mutter zum Geburtstag gratulieren!


Und sie hatte KEINEN Blumenstrauß in der Hand!



©RR






Neues von Mama (5): Hausbesuche




Mein Telefon klingelt. Ich schaue auf das Display: Mama. Erst einmal seelisch und moralisch darauf einstellen und dann abnehmen.

Mama: Bist zu zuhause?

Ich: Könnte ich sonst mit dir telefonieren? (Meine Handynummer hat sie nicht!)

Mama ging darauf nicht ein und legte gleich los:
Mama: Also ich hab eben die Ärztin angerufen, dass sie kommen muss, denn ich kann nicht mehr laufen, auch nicht mit Rollator. Und da sie ja auch Hausbesuche macht, soll sie gefälligst auch zu mir kommen.

Ich kann mich nur immer wundern, wo die höfliche und nette Frau geblieben ist, welche meine Mutter einmal war. 

Ich: Und, kommt sie?


Mama: Ja, sie kommt. Sie kann nur keine Uhrzeit sagen. Also ich finde das eine Frechheit. Soll ich den ganzen Tag auf der Lauer sitzen, bis sie kommt?

Ich: Na, was willst auch sonst machen, du kannst ja eh nicht laufen. Schalte den Fernseher ein und warte, bis sie kommt.

Mama: Ich kann doch am helllichten Tag nicht Fernseher gucken.

Ich: Soll ich zu dir kommen? Wenn du nicht laufen kannst, dann kannst ja auch keine Tür öffnen.

Mama: Ach lass mal, bis zur Tür schaffe ich das schon noch.

Ich: Ok, dann ruf mir später an und erzähle, was die Ärztin festgestellt hat.

Mama: Ja, mache ich.

Ich legte schnell auf, bevor sie ein neues Thema anfangen konnte. Denn das Gespräch hätte sonst kein Ende gefunden.
Ich hörte einige Stunden nichts mehr von Mama.
Am Nachmittag rief sie wieder an. Ich war gespannt, was die Ärztin festgestellt hat.

Mama: Stell Dir mal vor: eben hat die Ärztin angerufen und mich gefragt, wo ich gewesen bin. Sie wäre da gewesen und niemand hätte geöffnet.

Ich: Warst zu langsam? Oder hast die Klingel nicht gehört?

Mama: Nein, aber glaubt die, ich sitze den ganzen Tag zuhause rum und warte, bis sie sich bequemt hierher zu kommen?

Ich dachte, ich hör nicht richtig.
Ich: Wieso? Warst du weg?

Mama: Ja, ich war beim Friseur. So konnte ich ja nicht mehr herumlaufen.

Ich: Mama!! Wo warst du? Beim Friseur? Wo ist der Friseur?

Mama: Na im Einkaufszentrum.

Ich: Und wie bist du dahin gekommen? Mit dem Taxi?

Mama: Gelaufen, mit dem Rollator. Ich gebe doch kein Geld für ein Taxi aus, wenn ich dahin laufen kann.

Ich: Mama!! Ich denke du kannst nicht laufen? Deswegen sollte doch die Ärztin zu dir kommen.

Mama: Aber ich konnte doch so nicht mehr unter die Leute. Das war jetzt wichtiger.

Ich: Und, hast der Ärztin gesagt, wo du warst?

Mama: Na klar, was hätte ich sonst sagen sollen? Mir ist so schnell keine Ausrede eingefallen

Ich: Und was hat sie darauf geantwortet?

Mama: Sie meinte ganz schnippisch: Wenn sie zum Friseur laufen können, dann können sie nächstens auch in die Praxis kommen.

Ich: Na, wo sie recht hat …..

Mama: Na klar, jetzt bist du auch noch gegen mich.
Und legte auf!!

©RR







Neues von Mama (4): Mama's Festung



Ahnungslos fuhr ich heute zu meiner Mutter (88 Jahre alt). Sie wohnt in einem dreizehnstöckigen Hochhaus im sechsten Stock. Mit Fahrstuhl. Treppensteigen ist nicht so mein Ding. Ich stieg aus dem Fahrstuhl und wunderte mich, dass Mama in der Küche schon den Fensterladen geschlossen hat. Es war sonntags gegen 14 Uhr. Seltsam. Hoffentlich ist ihr nichts passiert.

Ich klingelte – nichts tat sich. Ich klingelte nochmals etwas länger – nichts tat sich. In meiner Tasche suchte ich nach dem Schlüssel, den ich für Notfälle immer bei mir trug. Ich schloss auf … aber die Tür ließ sich nicht öffnen. Ich probierte nochmals aber die Tür ging nicht auf. Der Schlüssel passte, ließ sich auch drehen – aber zum Donnerwetter warum geht die Tür nicht auf? Ist sie vielleicht wieder gefallen und liegt hinter der Tür? Ich drückte dagegen – aber nichts tat sich.

Dann hörte ich leise ihre Stimme und ich klopfte und klingelte abermals. Vielleicht hat sie sich hingelegt und die Klingel nicht gehört. Aber warum geht die Tür nicht auf?

Ich hörte, wie sie mit ihrem Schlüssel an der Tür hantierte und wartete, was nun passiert. Und siehe da – die Tür ging auf. Bin ich zu blöd, eine Tür zu öffnen?

Mama stand im Schlafanzug und mit Rollator vor mir.

Ich: Mama, bist Du krank?

Mama: Wieso soll ich krank sein?

Ich: Na weil du im Schlafanzug bist.

Mama: Nein, ich bin eben aufgestanden. Wieso bist Du so früh da? Ich hab noch nicht mal gefrühstückt.

Oh je, ihre Demenz macht sich wieder bemerkbar. Sie verwechselt wieder die Tageszeiten. Aber Gegenreden bringt jetzt nichts.

Ich: Sag mal, wieso konnte ich von außen die Tür nicht öffnen?

Mama: Das weiß ich doch nicht.

Na super!

Mittlerweile hab ich mich an ihrem Rollator vorbei geschoben und drehte mich zu der Wohnungstür um.

Ich: Sag mal, hast Du den Balken davor gehabt? (Die Wohnungstür war nochmals zusätzlich in der Mitte mit einem großen Balken gesichert. In der Mitte des Balkens war ein Schloss. Die Vormieter müssen sich so nochmals zusätzlich abgesichert haben. Nur hatte Mama hierzu keinen Schlüssel erhalten beim Einzug).

Mama: Ja klar, warum glaubst Du, wofür der denn sonst da ist?

Ich: Aber Du hattest doch gar keinen Schlüssel dafür.

Mama: Na, ich hab mir ein neues Schloss einbauen lassen und jetzt geht es zu.

Ich: Wieso verbarrikadierst du dich so? Das verstehe ich jetzt nicht. Klauen wird dich eh niemand. Und wenn, dann bringt er dich postwendend wieder zurück.

Mama: Sei nicht so frech. Ach, das verstehst du doch nicht.

Aha, klar, wenn sie etwas nicht erklären kann, dann verstehe ich das nicht. Typisch Mama.

Ich: Aber dann musst du mir den Schlüssel dafür geben, damit ich in die Wohnung kann, wenn du mal Probleme hast.

Mama: Ich hab keine Probleme.

Ich: Mama, wenn du hier drinnen wieder hinfällst, dann liegst du da und niemand kann dir helfen, weil wir nicht in die Wohnung können.

Mama: Ich falle nicht hin.

Ich: Ach ja? Du bist schon zwei Mal über deinen Rollator gefallen. Erinnere dich mal daran. Beim erstem Mal hast du dir die rechte Hüfte gebrochen und beim zweiten Mal hattest du eine große Platzwunde am Kopf und einen gebrochenen Zeh.

Mama: Was du nur wieder erzählst, so schlimm war es doch gar nicht.

Ich flippe gleich aus. Ruhig bleiben. Wenn der Sturkopf bei ihr mal wieder durchkommt, dann nützt auch das beste Zureden nichts.

Ich: Mama, du musst einen Schlüssel für diesen Balken rausgeben. Wie soll man dir helfen können, wenn was passiert.

Mama: Mir passiert nichts, ich hab ja jetzt den Balken vor der Tür.

Ich: Mama, was nützt dir der Balken, wenn du jedem, der bei dir klingelt die Tür öffnest und fremde Leute sogar noch in die Wohnung lässt?

Mama: Na und? Es kommt doch sonst niemand zu mir.

Darf man Mama mal kräftig schütteln? Oder bekommt sie dann auch ein Schütteltrauma? Ruhig bleiben.

Ich: Mama, ich hab dir schon so oft erklärt, dass du nicht jedem die Tür öffnen sollst. Du hast doch auch einen Spion an der Tür. Da kannst Du doch schauen, wer draußen steht.

Mama: An dieses Guckloch komm ich nicht dran, da bin ich zu klein dazu.

Da musste ich ihr ausnahmsweise mal Recht geben. Sie war wirklich zu klein um da dran zu kommen.

Mama: Ich mach mir jetzt einen Kaffee, hab ja noch nicht gefrühstückt.

Sie stand auf, machte eine Drehung in Richtung Küche, blieb am Rad vom Rollator hängen und flog kopfüber darüber.

Was hab ich mich erschrocken.

Ich: Mama, ist dir was passiert?

Ich half ihr wieder auf die Beine und schaute sie prüfend an.

Mama: Nein, mir ist nichts passiert. Setz dich wieder hin, ich mache jetzt Kaffee.

Die Frau treibt mich noch in den Wahnsinn.

Ich: Siehste jetzt, wie schnell das passiert. Und wenn dann niemand hier rein kann, dann liegst vielleicht tagelang hier und niemand kann dir helfen.

Mama: Ich kann dich ja dann anrufen, dass du kommst.

Ich: Und wie soll ich reinkommen, wenn du den Balken vor der Tür hast?

Mama: Na dann musst halt aufschließen.

Ich: Mama!! Ich habe keinen Schlüssel für den Balken!

Mama: Das macht nichts, die Firma die das Schloss eingebaut hat, die hat einen Schlüssel.

Schnappatmung! Ruhig bleiben!

Ich: Das kann nicht sein. Die Firma darf von dir keinen Schlüssel haben. Und zudem weiß ja niemand, welche Firma dieses Schloss eingebaut hat.

Mama: Das verrate ich dir auch nicht. Sonst holst du dir den Schlüssel.

Ich: Mama, behalt deinen Schlüssel, ich will ihn nicht haben.

Mama ist einmalig. Sie hat für alles eine Gegenrede. Ruhig bleiben.

Sie hantierte in der Küche und ich ging auf den Balkon, um wieder etwas ruhiger zu werden. Soll sie ihren Schlüssel behalten. Jetzt will ich ihn auch nicht mehr.

Sie kam mit dem Kaffee und ich hatte in der Zwischenzeit den Kaffeetisch gedeckt.


Mama schaute über den Tisch und fragte ganz empört:
Warst du an meinem Schrank? Was hast du an meinem Schrank zu suchen?

Ich muss in diesem Moment wirklich blöd aus der Wäsche geschaut haben.

Ich: Mama, das mach ich doch immer. Was soll das jetzt schon wieder? Ich hab doch den Tisch gedeckt. Und im Schrank steht Dein gutes Geschirr.

Mama: Niemand hat an meinen Schrank zu gehen.

Gut dass ich das weiß.

Mama: Ich trinke jetzt keinen Kaffee mehr, weil ich gleich ins Bett gehe. Wieso kommst Du heute so spät?

Hä?

Ich: Mama, ich denke, du bist erst aufgestanden und willst jetzt frühstücken.

Mama: Spinnst du? Ich mache doch abends kein Frühstück mehr. Was erzählst du für einen Scheiß?

Ich: Du hast doch vorhin als ich kam gesagt, dass du erst aufgestanden bist.

Mama: Sag mal, meinst du ich bin blöd, und stehe erst abends auf? Du erzählst wieder einen Blödsinn.

Darf man Mama …..ach lassen wir das. Schappatmung. Ruhig bleiben!

Ich tank meinen Kaffee und sie schenkte sich auch eine Tasse ein.

Ich: Guck mal Mama, ich hab Kuchen mitgebracht.

Mama: Hast du den selbst gebacken?

Ich: Ja, Marmorkuchen, den isst du doch so gerne. Ich habe dir die Hälfte davon mitgebracht, dann kannst noch morgen und übermorgen zum Frühstück ein Stück Kuchen essen.

Mama: Nein, nimm den ruhig wieder mit. Ich mag ihn nicht essen.

Ich: (verwundert) Wieso willst den Kuchen nicht?

Mama: Der ist bestimmt vergiftet.

MAMA!!

Dieses Phänomen kennen wir ja schon. Das muss ich mir öfters anhören.

Sie hat sich mal freitags Fisch mit Kartoffelsalat im Einkaufszentrum gekauft. Auf dem Nachhauseweg kam ihr plötzlich der Einfall, der Fisch könnte vergiftet sein und warf die Tüte mit dem Essen in den nächsten Mülleimer.

So ist sie halt.

©RR

Neues von Mama (3): Das Tauschgeschäft




Mama ist ja schon über achtzig. Aber sie geht noch regelmäßig einmal die Woche in den Frauenkreis, zum Kirchentreffen und sonntags zur Kirche.
Gelegentlich muss man aber nachsehen, ob sie auch ihre Tabletten nimmt und ob sie überhaupt noch welche hat.
Sie kam gerade vom Frauenkreis.

Ich: Mama, soll ich dir was einkaufen? Brauchst was?

Mama: Nein, ich war heute morgen schon im Supermarkt.

Ich: Wie sieht es mit deinen Tabletten aus? Ist noch alles vollständig? Oder brauchst wieder ein Rezept?

Mama: Ach hör mir auf mit den Tabletten.

Ich: Hey, was soll das? Du weißt, dass du die Tabletten einnehmen musst.

Mama: Ja das weiß ich, aber die taugen ja alle nichts.

Ich: (perplex) wieso taugen die nichts? Die haben dir doch die ganze Zeit geholfen!

Mama: Ja, das meinst vielleicht du!

Ich: Warum hast dann nicht gesagt, dass die Tabletten nichts helfen?

Mama: Na weil ich das bis heute auch nicht gewusst habe!

Ich: hä? Und wie bist jetzt darauf gekommen?

Mama: Ich bin nicht darauf gekommen.

Ich: Und wer dann? Der Arzt? Warst du beim Arzt heute?

Mama: Nein. Der hat ja keine Ahnung was mir fehlt!

Dann nahm sie ihre Handtasche – griff hinein – und holte ein Päckchen Tabletten nach dem anderen heraus:

Mama:
– Guck mal, die Kreislauftabletten, die hat mir die Maria gegeben. Die wären viel besser als meine.
– Und hier die Herztropfen, die hab ich von Lene bekommen. Die helfen ganz toll.
– Hier was gegen die Bronchitis – hat mir die Christa mitgegeben.
– Schlaftabletten hab ich von der Marianne bekommen! Die schläft wie ein Murmeltier darauf.

Ich war sprachlos.
Ich: sag mal, wo hast das denn alles her? Wann haben die dir das gegeben?

Mama: Na heute, im Frauenkreis.

Dann ging ich an den Medikamentenschrank und suchte nach ihren Tabletten, welche sie vom Arzt verschrieben bekam.

Ich: Kannst du mir mal sagen, wo DEINE Tabletten hingekommen sind? Waren die alle?

Mama: Ne, alle waren die nicht. Aber die hab ich gegen die hier eingetauscht!

MAMA!!!!!!!!!!!!!!!!

Neues von Mama (2): der verlorene Lottogewinn

Neues von Mama (2): der verlorene Lottogewinn


Also mir könnte es nie passieren, dass ich vergesse meinen Lottoschein zu kontrollieren!
Ich spiele zwar sehr unregelmäßig, einfach nur dann, wenn ich gerade einmal wieder daran denke - aber nachsehen das muss ich dann immer gleich, nachdem die Zahlen gezogen worden sind.
Mein Mann hat es mal vergessen und ist erst nach vier Wochen hin und hat seinen Schein überprüfen lassen ... Gewinn 77 Euro. Na besser als nichts! Oder wie er selbst meinte: Besser spät als nie!

Übrigens da fällt mir eine Begebenheit aus meiner Kindheit ein:




Ich war damals neun oder zehn Jahre alt. Mein Vater war krank (Magenoperation) und wir waren gerade dabei, am Haus anzubauen.
Meine Mutter ist schon immer sehr sparsam und dreht jeden Pfennig dreimal um, bevor sie ihn ausgibt.
Da mein Vater in seiner Firma für die Abgabe des Lottoscheines (fünf Mann haben regelmäßig einen Gemeinschaftstipp abgegeben) verantwortlich war, hatte er nun Bedenken gehabt, dass die anderen das vergessen könnten und hat den gleichen Schein zuhause nochmals ausgefüllt (sie tippten immer die gleichen Zahlen, schon jahrelang).

Er drückte mir den Schein und das Geld in die Hand und schickte mich weg, den Schein abzugeben.
Auf der Treppe begegnete mir meine Mutter und fragte mich, wo ich denn hingehen würde.
Ich zeigte ihr den Schein ....... und sie nahm ihn mir ab, mit der Begründung, dass wir jeden Pfennig für den Anbau brauchen und uns das nicht leisten könnten.

Sie gab meinem Vater wieder den Schein und das Geld und die Sache war erledigt.

Am Samstag, als die Lottozahlen gezogen worden waren, traf meinen Vater fast der Schlag.

Sie hatten einen "fünfer" im Lotto.

Er fauchte meine Mutter an - ich weiß leider nicht mehr, was er alles zu ihr gesagt hat.

Nur: Die Kollegen hatten den Schein in der Firma ausgefüllt und abgegeben.
Damals bekam also jeder (auch mein Vater) so um die 2.000,-- DM ausgezahlt.

Hätte ich den Schein nochmals abgeben dürfen, so hätte er von diesem Schein den Gewinn für sich alleine behalten dürfen.

Aber:  Er hat das meiner Mutter noch Jahre danach vorgehalten! Und sie traute sich nichts mehr in seine Lottogeschäfte hineinzureden. :-))))
Auch haben wir seit diesem Zeitpunkt nie erfahren, ob sie nochmals was gewonnen haben. Er schwieg sich darüber aus!!

©RR

Neues von Mama (1): Mama und der Einbrecher!


Mama hat eine wunderschöne, kleine Wohnung in einem Wohnblock-Hochhaus.
Sie ist zufrieden und eigentlich bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen.
Eigentlich!!
Mama hat nur einen kleinen Fehler: Sie ist furchtbar neugierig und öffnet jedem die Tür.
Wie oft habe ich ihr schon gesagt, dass sie das nicht machen soll.
Einmal war es jemand von den Stadtwerken, der ihr einen billigeren Tarif andrehen wollte, ein anderes Mal war es sogar ein Polizist der mit einem Foto durch das Haus ging und eine Frau suchte. Also es klingelt ständig jemand bei ihr.
Ich versuchte sie zu warnen, dass sie doch bitte nicht öffnen soll, sondern durch die Tür fragen, wer draußen steht. Macht sie natürlich nicht. Was hatte ich auch anderes erwartet.
Eines Nachts läutet bei mir das Telefon. Es war kurz nach ein Uhr. Ich wollte es schon ignorieren, als mir einfiel, dass etwas mit Mama sein könnte. Also stand ich auf, ging nach unten und schaute auf das Display. Ja, es war Mamas Telefonnummer, die hier angezeigt wurde.

Sofort nahm ich den Hörer ab und meldete mich.

„Hallo Mama, was ist los?“

Und schon keifte sie am anderen Ende der Leitung:
„Also bis du mal das Telefon abnimmst, da bin ich schon längst gestorben!“

„Mama, es ist ein Uhr nachts. Ich hatte schon geschlafen und hab es nicht gleich gehört.“

„Jaja, um Ausreden warst du noch nie verlegen!“

„Mama, was ist? Wieso rufst du mitten in der Nacht an?“

„Ach so,  ja, du musst ganz schnell herkommen. In meiner Wohnung liegt ein Mann!“

Ich schaute verdutzt den Telefonhörer an.
„Mama, hast du was getrunken?“

„Nein, ich habe nichts getrunken. Hier liegt wirklich ein Mann!“

„Wo liegt der? Hoffentlich nicht in deinem Bett, oder?“

„Sei nicht so frech, nein, der liegt hier auf dem Boden in der Tür zum Wohnzimmer.“

Naja, Mama ist über achtzigJahre alt. Da hätte ich auch nicht erwartet, dass sie sich nun noch einen Liebhaber zulegen würde. Aber bei ihr muss man auf alles gefasst sein.
„Und was macht er da?“

„Na der schläft.“

„Wieso schläft der auf dem Boden? Und woher willst du wissen, ob er schläft?“
Ich glaubte ihr immer noch kein Wort.

„Weil er schnarcht!“ kam die lapidare Antwort.

„Mama, du willst mich doch jetzt nicht verar…?“

„Nein, aber mach und komm her, bevor er wieder aufwacht so wie vorhin!“

„Was? Er war schon mal wach? Und wieso schläft er jetzt wieder?“

„Na warum wohl? Weil ich etwas nachgeholfen habe! Aber mach und komm her und schau ihn dir lieber selber an!“

Ich gab mich geschlagen.
„Also gut, ich ziehe mir nur was an und komme gleich.“
Nun legte ich auf, zog mir meine Jeans und T-Shirt an, suchte wie immer den Autoschlüssel und fuhr dann los.

Also jedes Mal wenn ich hier ankomme, habe ich das Gefühl, ich brauche länger um in ihre Wohnung zu kommen, als mit dem Auto hierher. Denn niemals ist einer von den beiden Fahrstühlen gerade unten, meistens ist auch noch einer davon defekt, und dann nehme ich an, dass der einzige funktionierende Fahrstuhl erst einmal aus dem dreizehnten Stockwerk geholt werden muss.

Als ich bei ihr ankam, stand die Wohnungstür weit offen und dahinter sah ich auf dem Boden einen Mann liegen. Sie hat doch die Wahrheit gesagt.
Ich war im ersten Moment sprachlos.

„Siehste, ich hab dich doch nicht angelogen. Da liegt wirklich ein Mann. Das ist sicher ein Einbrecher.“

„Wie kommt der zu dir in die Wohnung? Wie ist er eigentlich hier reingekommen?“

„Na der hatte einen Schlüssel.“

„Wieso? Wo hatte er denn den Schlüssel her?“

„Na, fragen konnte ich ihn noch nicht danach.“

„Aber sag mal, wieso liegt der hier auf dem Boden? Der ist doch sicherlich nicht hier hereingekommen und hat sich zum Schlafen hingelegt.“

„Nö, hat er nicht. Ich hab da schon etwas nachhelfen müssen.“
Sie drehte sich um, ging in die Küche und holte direkt neben der Tür vom Kühlschrank eine gusseiserne Bratpfanne.
„Damit!“

Sie hielt mir die Pfanne hin.
 „Mama! Du hättest ihn damit erschlagen können!“
„Da, er bewegt sich wieder. Er wacht auf.“ Rief sie aufgeregt.
Und bevor ich mich versah oder auch nur etwas dagegen unternehmen konnte, schlug sie nochmals zu. Er sackte wieder in sich zusammen und blieb liegen.
Ich war entsetzt und nahm Mama die Pfanne ab.
„Jetzt ist Schluss!  Jetzt rufen wir die Polizei, die sollen ihn abholen bevor du ihn wirklich noch erschlägst.“

Ich schnappte mir das Telefon und rief die Polizei an. Sie versprachen, sofort einen Wagen vorbei zu schicken.
„Sag mal Mama, wieso bist du eigentlich wach gewesen? Du hast doch sonst einen so guten Schlaf, dass du ihn doch nicht gehört hättest.“

„Na der Trottel hat doch vorher Sturm geklingelt. Da bin ich dann aufgewacht. Als ich sah, wie spät es ist, bin ich im Dunkeln in den Flur. Hab mich aber nicht bemerkbar gemacht. Dann hörte ich Schlüssel rascheln und merkte, wie er versuchte die Tür aufzuschließen. Da bin ich schnell in die Küche und hab die Pfanne geholt. Die habe ich mir für solche Fälle direkt  neben der Tür auf dem Kühlschrank deponiert.“

„Mama, du spinnst wirklich!“ Ich wusste nicht, was ich darauf sonst antworten sollte.
Und plötzlich fing sie schon wieder an zu meckern.

„Eigentlich wollte ich eine andere Pfanne nehmen. Aber die „Billigheimer“, die du mir damals zum Einzug gekauft hattest, die hätte der ja gar nicht gespürt. Diese leichten Blechpfannen taugen doch überhaupt nichts. Naja, etwas braten kann man damit schon, aber einen Einbrecher fangen kann man damit nicht.“
Ich sagte nichts mehr dazu.

Es klingelte.

„Das wird die Polizei sein“ rief sie aufgeregt.
Sie drückte auf den Türöffner und wollte gerade an die Sprechanlage gehen, als ich ihr klar machte, dass die schon von mir erfahren haben, in welchem Stockwerk sie wohnt.
Nun hörten wir, dass sich der Fahrstuhl in Bewegung setzte.

Gerade als die Polizisten aus dem Fahrstuhl stiegen, wollte sie mir wieder die Pfanne entreißen.
„Gib her, er wacht auf!“

„Nein, jetzt reicht es. Die Polizei ist hier, und die werden schon mit ihm fertig werden!“

Zwei Polizisten kamen grinsend den Flur entlang. Man sah ihnen an, dass sie die Geschichte mit dem Einbrecher nicht so richtig glaubten.

„Da liegt ja wirklich einer im Flur!“ rief der erste Polizist seinem Kollegen zu.
Der Mann auf dem Boden bewegte sich langsam und stöhnte.
Und Mama suchte schon wieder nach ihrer Pfanne!

„Mama hör auf, die beiden Polizisten machen das jetzt schon".

Der erste Polizist schaute erst auf die Pfanne und dann auf meine Mutter.
"Haben sie ihn damit flachgelegt?" frage er ungläubig?

"Womit denn sonst?"

Er schüttelte den Kopf und bemerkte so ganz nebenbei: "Man soll nicht glauben, welche Kraft in solchen zierlichen Persönchen schlummert!"

Der Mann am Boden wachte nun langsam wieder auf. Er rieb sich seinen schmerzenden Kopf und schaute die Polizisten ungläubig an.

„Wer sind sie und was machen sie hier in dieser Wohnung!“ fragte einer der Polizisten.

Der Mann am Boden hatte sich aufgesetzt und zeigte auf meine Mutter.
„Sie, sie habe ich gesucht!“ rief er aus.

Verwundert fragte ich: „Wieso haben Sie meine Mutter gesucht? Und wieso ausgerechnet mitten in der Nacht? Und wer sind Sie überhaupt?“

Da er anscheinend langsam wieder bei klarem Verstand war, erzählte er:
„Ich bin der Hausmeister hier. Wir waren in Urlaub und sind erst gegen 23 Uhr nachhause gekommen.
Als ich den Anrufbeantworter abhörte, hatte ich mehrere Anrufe von zwei Frauen, welche sich um ihre Mutter Sorgen machten, weil sie weder das Telefon abnahm, noch die Tür öffnete. Da die beiden Frauen nicht wussten, an wen sie sich hätten wenden können, riefen sie mich an, damit ich mal nach dem Rechten schaue!“

„Und da kamen Sie mitten in der Nacht hier herein?“ fragte der eine Polizist.

„Naja, zuerst wollte ich ja morgen früh gleich mal nachschauen, aber es ließ mir keine Ruhe mehr. Deshalb nahm ich dann irgendwann meine Schlüssel und fuhr hierher. Da auch bei mir auf mein Klingeln niemand öffnete, benutzte ich den Zweitschlüssel und ging rein. Weit kam ich ja nicht, wie sie sehen!“

©RR