Neues von Mama (10): Wo ist Mama???





Heute war ich mal wieder mit Mama im Marktkauf einkaufen. Also ich merkte bereits beim Laufen, dass sie immer mehr abbaut. Sie wird immer langsamer und lässt sich wie ein kleines Kind sofort ablenken. Als ich, mit Mama im Schlepptau, den Einkaufswagen über den Parkplatz zum Eingang schob, wäre sie beinahe noch überfahren worden. Nur weil sie mitten auf der Fahrspur lief und einfach stehen blieb, um zwei Frauen zuzuschauen, welche ihre Einkäufe im Auto verstauten. Ich zog sie gerade noch von der Fahrbahn runter. 
Dafür konnte ich mir dann was anhören! 


M: "Was machst Du da? Ich bin doch kein kleines Kind!" 


Ich: "Doch, biste anscheinend. Man läuft nicht mitten auf dem Weg, wo die Autos fahren!" 


M: "Ach sei still, ich kann schon selbst auf mich aufpassen!" 


Ich: "Jaja, ich habs gesehen!" 
naja, und so weiter. Sie brummelte noch eine ganze Weile neben mir her. Dann waren wir endlich im Marktkauf. 
Als wir gleich zu Anfang beim Metzgerstand vorbei kamen (da gibt es immer so leckere Mahlzeiten) fiel ihr auf, dass sie Hunger hatte. 


M: "Ich hab Hunger!" und blieb penetrant vor dem Metzgerstand stehen. 


Ich: "Ok, aber wir essen erst was, wenn wir einkaufen waren." 


M: "Ich hab aber jetzt Hunger!"


Neues von Mama (9): Wieder ein Einbrecher




Ich war gerade aufgestanden, als das Telefon klingelte. Als ich zur Uhr schaute, war es gerade mal kurz nach 7 Uhr. Wer ruft so früh bei uns an?
Das Display zeigte „Mama“ an.

Soll ich jetzt schon abnehmen oder erst mit den Hunden raus gehen? Wenn Mama so früh anruft, dann muss etwas passiert sein. Also nahm ich den Anruf entgegen, während ich dabei war, Kaffee aufzusetzen.


Mama kam sofort zur Sache: „Stell dir mal vor, bei mir ist heute Nacht eingebrochen worden! Hier sieht es aus, wie auf einem Schlachtfeld.“


Ich war erschrocken. „Mama, wie kann das sein? Bei dir kann man doch gar nicht einbrechen. Deine Tür ist so gut gesichert, dass da niemand reinkommt!“


Mama war nicht zu bremsen. „Natürlich ist eingebrochen worden. Mein Blumenstock neben der Tür liegt auf dem Boden. Mein Rollator ist total kaputt. Meinen Geldbeutel kann ich auch nicht mehr finden!“ 

Naja, das mit dem Geldbeutel ist nichts Neues, sie versteckt ihn meistens so, dass sie ihn selbst nicht mehr wiederfindet.


„Mama, vielleicht bist du gestern Abend selbst mit dem Rollator am Blumenstock hängen geblieben und hast es nicht gemerkt?“


„Meinst Du, ich würde dann das alles so liegen lassen? Nein, da waren Einbrecher da!“


„Ok, ich komme nachher vorbei und schaue mir das an. Wenn da wirklich jemand in der Wohnung war, dann rufen wir die Polizei an, die soll sich das mal anschauen.“


„Die Polizei hab ich schon angerufen, die kommen gleich.“


„Na, dann mach aber nichts in der Wohnung, du darfst nicht aufräumen. Musst alles so liegen lassen, wie es ist!“


„Jaja, das hat mir der Polizist am Telefon auch schon gesagt. Du brauchst aber nicht extra hierher zu kommen. Das kann ich mit der Polizei schon alleine regeln!“


Na, wenn sie meint. Dann warte ich eben ab.
„Ruf mich aber an, wenn die Polizei da war. Ich will wissen, was da los war.“


Neues von Mama (8): Dampfnudeln




Mama war im Krankenhaus und ist nun wieder zuhause, ist aber der Meinung, dass ich jeden Tag mindestens zweimal nach ihr sehen müsste :-) 
Denkste - ich hab das reduziert auf jeden zweiten Tag - das reicht vollkommen. 
Es geht ihr eigentlich ganz gut, nur kann sie keine Aufregungen vertragen. Denn wenn sie sich aufregt, dann wird sie wieder total durcheinander und kriegt nichts mehr auf die Reihe. Also halte ich alles Aufregende von ihr fern. Nur, wenn man ihr nicht alles erzählt, regt sie sich auch wieder auf. Wie man es macht ….. es ist verkehrt. 


Nun hat sie sogar heute für den "halben Ort" Dampfnudeln gebacken! Respekt! Das kann nicht mal ich machen! (Brauchte es ja auch noch nie, da sie ja immer die Dinger gemacht hat. Ich hab sie nur gegessen und nie gebacken.)

 Ok, halber Ort ist etwas übertrieben, aber wenn sie mal dabei ist, dann weiß sie schon beim Teig machen, welcher Nachbar wie viele davon erhält. 
(Ich bekam genau vier Stück .... Mein Mann isst die nicht. Wenn der wüsste, was ihm entgeht.) 


Eine Pfanne voll hat sie anbrennen lassen .... eben weil eine Nachbarin zu Besuch kam und sie total abgelenkt und nur am Quatschen waren. Und sie hat es noch nicht einmal gemerkt. Erst als ich kam, um meine Dampfnudeln abzuholen, da fielen ihr die Dinger auf dem Herd wieder ein. Sie rannte mit fliegender Schürze in die Wohnung – die neugierige Nachbarin natürlich hinter ihr her …. doch zu spät: Die ganze Küche war schon verqualmt.



Und nun kam eine Seite von mir zum Vorschein, welche Mama überhaupt nicht leiden kann: Ich nahm die Pfanne, leerte die verkohlten Häufchen auf einen Teller und reichte diesen der Nachbarin mit den Worten: „Das müssen die Dampfnudeln sein, welche für Sie bestimmt waren!“


Mama schnappte hörbar nach Luft und die Nachbarin drehte sich wortlos um und wurde in meiner Gegenwart nie wieder gesehen.



©RR



hab ich erwähnt, dass Mama sich danach wieder maßlos aufgeregt hat??? *grins*

nur weiß ich bis heute nicht, ob es über die verbrannten Dampfnudeln oder über meinen Kommentar zur Nachbarin war



Neues von Mama (7): wie man unerwünschten Besuch los wird ....



Ich war mal wieder bei Mama. Sie hatte Besuch. Ich kannte die Dame, sie wohnt im Haus und ist furchtbar neugierig. Ich mag sie nicht und Mama kann sie auch nicht leiden.

Sie erklärte mir sofort, dass sie gerade mal schnell auf einen Kaffee vorbei kam und nach dem Rechten sehen wollte.


Ich machte mir ja auch einen Kaffee und da wollte ich ja mal nicht so sein und bot ihr auch eine Tasse an. Während ich in der Küche hantierte und das Kaffeegeschirr zusammen stellte, fiel mir etwas ins Auge ..... und schon kam meine sarkastische Ader wieder zum Vorschein. Na warte, ich werde dafür sorgen, dass du nicht lange bleibst und Mama aushorchen kannst.



Ich trug den Kaffee und das Geschirr ins Wohnzimmer - eine normale Tasse für mich und eine schwarze Tasse für die Besucherin.





Noch bevor sie etwas sagen konnte, schenkte ich ihr Kaffee ein und bot ihr etwas vom Christstollen an. Sie langte zu.


Und dann fing sie auch gleich an:

"Oh, habt ihr neues Geschirr?"

Auf diese Frage habe ich gewartet.

"Ja, das haben wir extra gekauft! Das sind unsere Besucher-Tassen!"


Neues von Mama (6): Der Geburtstag (1)



Mama hatte Geburtstag, so gegen 14 Uhr war ich dann bei ihr.
Sie schien ziemlich fit zu sein, begrüßte die Hunde und dann mich!

Sie hatte einen kleinen Beistelltisch im Wohnzimmer mit ihren Geschenken dekoriert.

Ich sah einige Flaschen Piccolo, eine Karte, einen Brief und einen Teller mit Weihnachtsgebäck.
Sie erzählte mir, von wem sie die Geschenke erhalten hat und dann gab ich ihr mein Geschenk.
Soweit war ja auch alles ok. Ich machte Kaffee und schnitt den von mir gebackenen Kuchen an.

Ich: Und Mama, wie geht es Dir heute?


Mama: Mir geht es gut. Ich hatte heute schon ganz früh den ersten Besuch. Ich hab noch geschlafen, als es geklingelt hat.


Ich war erstaunt, denn Mama steht meistens schon um sieben Uhr in der Frühe auf - und da soll schon jemand dagewesen sein?


Ich: Wer war denn der Besucher?


Mama: Es war von unten die Frau XY. Sie hat mir einen wunderschönen, riesengroßen Blumenstrauß gebracht.


Ich (etwas erstaunt): Wo hast denn den Strauß? Ich hab in der Wohnung hier keinen gesehen.


Mama: Ja, den hab ich gut aufgehoben und versteckt, damit ihm auch ja nichts passiert!


Also ich war in der ganzen Wohnung und auf dem Balkon - es war definitiv KEIN Blumenstrauß zu sehen. Ich sagte nichts mehr dazu, sondern dachte mir meinen Teil.


Während wir unseren Kaffee tranken klingelte es an der Wohnungstür. Ich stand auf und öffnete.

Draußen stand die Frau XY von unten im Haus.

XY: Guten Tag, ich wollte nur schnell ihrer Mutter zum Geburtstag gratulieren!


Und sie hatte KEINEN Blumenstrauß in der Hand!



©RR






Neues von Mama (5): Hausbesuche




Mein Telefon klingelt. Ich schaue auf das Display: Mama. Erst einmal seelisch und moralisch darauf einstellen und dann abnehmen.

Mama: Bist zu zuhause?

Ich: Könnte ich sonst mit dir telefonieren? (Meine Handynummer hat sie nicht!)

Mama ging darauf nicht ein und legte gleich los:
Mama: Also ich hab eben die Ärztin angerufen, dass sie kommen muss, denn ich kann nicht mehr laufen, auch nicht mit Rollator. Und da sie ja auch Hausbesuche macht, soll sie gefälligst auch zu mir kommen.

Ich kann mich nur immer wundern, wo die höfliche und nette Frau geblieben ist, welche meine Mutter einmal war. 

Ich: Und, kommt sie?


Neues von Mama (4): Mama's Festung

Ahnungslos fuhr ich heute zu meiner Mutter (88 Jahre alt). Sie wohnt in einem dreizehnstöckigen Hochhaus im sechsten Stock. Mit Fahrstuhl. Treppensteigen ist nicht so mein Ding. Ich stieg aus dem Fahrstuhl und wunderte mich, dass Mama in der Küche schon den Fensterladen geschlossen hat. Es war sonntags gegen 14 Uhr. Seltsam. Hoffentlich ist ihr nichts passiert.
Ich klingelte – nichts tat sich. Ich klingelte nochmals etwas länger – nichts tat sich. In meiner Tasche suchte ich nach dem Schlüssel, den ich für Notfälle immer bei mir trug. Ich schloss auf … aber die Tür ließ sich nicht öffnen. Ich probierte nochmals aber die Tür ging nicht auf. Der Schlüssel passte, ließ sich auch drehen – aber zum Donnerwetter warum geht die Tür nicht auf? Ist sie vielleicht wieder gefallen und liegt hinter der Tür? Ich drückte dagegen – aber nichts tat sich.


Dann hörte ich leise ihre Stimme und ich klopfte und klingelte abermals. Vielleicht hat sie sich hingelegt und die Klingel nicht gehört. Aber warum geht die Tür nicht auf?
Ich hörte, wie sie mit ihrem Schlüssel an der Tür hantierte und wartete, was nun passiert. Und siehe da – die Tür ging auf. Bin ich zu blöd, eine Tür zu öffnen?
Mama stand im Schlafanzug und mit Rollator vor mir.

Ich: Mama, bist Du krank?

Mama: Wieso soll ich krank sein?

Ich: Na weil du im Schlafanzug bist.

Mama: Nein, ich bin eben aufgestanden. Wieso bist Du so früh da? Ich hab noch nicht mal gefrühstückt.

Oh je, ihre Demenz macht sich wieder bemerkbar. Sie verwechselt wieder die Tageszeiten. Aber Gegenreden bringt jetzt nichts.

Ich: Sag mal, wieso konnte ich von außen die Tür nicht öffnen?




Neues von Mama (3): Das Tauschgeschäft


Mama ist ja schon über achtzig. Aber sie geht noch regelmäßig einmal die Woche in den Frauenkreis, zum Kirchentreffen und sonntags zur Kirche.
Gelegentlich muss man aber nachsehen, ob sie auch ihre Tabletten nimmt und ob sie überhaupt noch welche hat.

Sie kam gerade vom Frauenkreis.


Ich: Mama, soll ich dir was einkaufen? Brauchst was?

Mama: Nein, ich war heute morgen schon im Supermarkt.

Ich: Wie sieht es mit deinen Tabletten aus? Ist noch alles vollständig? Oder brauchst wieder ein Rezept?

Mama: Ach hör mir auf mit den Tabletten.



Ich: Hey, was soll das? Du weißt, dass du die Tabletten einnehmen musst.

Mama: Ja das weiß ich, aber die taugen ja alle nichts.

Ich: (perplex) wieso taugen die nichts? Die haben dir doch die ganze Zeit geholfen!

Mama: Ja, das meinst vielleicht du!

Ich: Warum hast dann nicht gesagt, dass die Tabletten nichts helfen?

Mama: Na weil ich das bis heute auch nicht gewusst habe!

Ich: hä? Und wie bist jetzt darauf gekommen?

Mama: Ich bin nicht darauf gekommen.

Ich: Und wer dann? Der Arzt? Warst du beim Arzt heute?



Neues von Mama (2): der verlorene Lottogewinn

Neues von Mama (2): der verlorene Lottogewinn


Also mir könnte es nie passieren, dass ich vergesse meinen Lottoschein zu kontrollieren!
Ich spiele zwar sehr unregelmäßig, einfach nur dann, wenn ich gerade einmal wieder daran denke - aber nachsehen das muss ich dann immer gleich, nachdem die Zahlen gezogen worden sind.
Mein Mann hat es mal vergessen und ist erst nach vier Wochen hin und hat seinen Schein überprüfen lassen ... Gewinn 77 Euro. Na besser als nichts! Oder wie er selbst meinte: Besser spät als nie!

Übrigens da fällt mir eine Begebenheit aus meiner Kindheit ein:




Ich war damals neun oder zehn Jahre alt. Mein Vater war krank (Magenoperation) und wir waren gerade dabei, am Haus anzubauen.
Meine Mutter ist schon immer sehr sparsam und dreht jeden Pfennig dreimal um, bevor sie ihn ausgibt.
Da mein Vater in seiner Firma für die Abgabe des Lottoscheines (fünf Mann haben regelmäßig einen Gemeinschaftstipp abgegeben) verantwortlich war, hatte er nun Bedenken gehabt, dass die anderen das vergessen könnten und hat den gleichen Schein zuhause nochmals ausgefüllt (sie tippten immer die gleichen Zahlen, schon jahrelang).

Er drückte mir den Schein und das Geld in die Hand und schickte mich weg, den Schein abzugeben.
Auf der Treppe begegnete mir meine Mutter und fragte mich, wo ich denn hingehen würde.
Ich zeigte ihr den Schein ....... und sie nahm ihn mir ab, mit der Begründung, dass wir jeden Pfennig für den Anbau brauchen und uns das nicht leisten könnten.

Sie gab meinem Vater wieder den Schein und das Geld und die Sache war erledigt.

Am Samstag, als die Lottozahlen gezogen worden waren, traf meinen Vater fast der Schlag.

Sie hatten einen "fünfer" im Lotto.

Er fauchte meine Mutter an - ich weiß leider nicht mehr, was er alles zu ihr gesagt hat.

Nur: Die Kollegen hatten den Schein in der Firma ausgefüllt und abgegeben.
Damals bekam also jeder (auch mein Vater) so um die 2.000,-- DM ausgezahlt.

Hätte ich den Schein nochmals abgeben dürfen, so hätte er von diesem Schein den Gewinn für sich alleine behalten dürfen.

Aber:  Er hat das meiner Mutter noch Jahre danach vorgehalten! Und sie traute sich nichts mehr in seine Lottogeschäfte hineinzureden. :-))))
Auch haben wir seit diesem Zeitpunkt nie erfahren, ob sie nochmals was gewonnen haben. Er schwieg sich darüber aus!!

©RR

Neues von Mama (1): Mama und der Einbrecher!


Mama hat eine wunderschöne, kleine Wohnung in einem Wohnblock-Hochhaus.
Sie ist zufrieden und eigentlich bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen.
Eigentlich!!
Mama hat nur einen kleinen Fehler: Sie ist furchtbar neugierig und öffnet jedem die Tür.
Wie oft habe ich ihr schon gesagt, dass sie das nicht machen soll.
Einmal war es jemand von den Stadtwerken, der ihr einen billigeren Tarif andrehen wollte, ein anderes Mal war es sogar ein Polizist der mit einem Foto durch das Haus ging und eine Frau suchte. Also es klingelt ständig jemand bei ihr.
Ich versuchte sie zu warnen, dass sie doch bitte nicht öffnen soll, sondern durch die Tür fragen, wer draußen steht. Macht sie natürlich nicht. Was hatte ich auch anderes erwartet.
Eines Nachts läutet bei mir das Telefon. Es war kurz nach ein Uhr. Ich wollte es schon ignorieren, als mir einfiel, dass etwas mit Mama sein könnte. Also stand ich auf, ging nach unten und schaute auf das Display. Ja, es war Mamas Telefonnummer, die hier angezeigt wurde.

Sofort nahm ich den Hörer ab und meldete mich.

„Hallo Mama, was ist los?“